HomeAus deutschen Kriegsgefangenenlagern. 2. FolgePagina 10

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spärlich, nur lakonisch sind dann die Nachrichten, die der
Gefangene später heimzusenden vermag. Welche Quelle des
Bangens sind die ersten Wochen für jene, die zunächst ohne
Nachricht bleiben. e
Möge daher die vorliegende Schrift, wie schon das erste
Heft es getan hat, manche besorgte Mutter und Gattin trösten. ‘
Möge sie auch vor die Augen derjenigen gelangen, die auf das
Schicksal unserer im Auslande gefangenen Brüder Einflulïl
haben, und die Uberzeugung verbreiten helfen, daB Deutsch-
land alles tut, was in seinen Kräften steht, um das Los der
in seinen Händen befindlichen Kriegsgefangenen so erträglich
wie möglich zu gestalten.
ie zur Unterbringung der Kriegsgefangenen bestimmten
D Lager verteilen sich fast über alle Provinzen der deutschen
Bundesstaaten. Von Anfang an muläte alles, vom Anlageplan
bis auf den letzten Nagel, aus dem Nichts heraus neu geschaffen
werden. Aber wir sind ja an das Einrichten auf kleinem kost-
baren Raum gewöhnt in unserem alten Deutschland, das dem
starken Wachstum seiner Menschenzahl kaum noch Raum ge-
nug zu bieten vermag. jedes dieser Kriegsgefangenenlager ist
eine kleine Stadt von selten weniger als zehntausend Einwoh­
nern. Von diesen Einwohnern, den Gefangenen, waren viele
am Aufbau dieser Städte selbst beteiligt und sind in der Lage,
selber über die Ordnung, die Menschlichkeit und die Wirt-
schaftlichkeit dessen, was da geschaffen wurde, zu urteilen.
Die Kriegsgefangenschaft gilt als ein Mittel zur Unschäd-
lichmachung und Uberwindung des Feindes. Das Kriegs-
recht der N euzeit achtet in den Gefangenen, nachdem ihnen die
Waffen abgenommen sind, gleichsam die Bürger eines fik-
tiven gröBeren Menschheitsstaates, deren letztes Gut, das
Leben und die Gesundheit, unantastbar ist und Schonung
findet. Nicht immer war es so. Im Altertum verfielen Kriegs­ ,
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