HomeAus deutschen Kriegsgefangenenlagern. 2. FolgePagina 104

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‘ den letzten Monaten xneiner Tätigkeit in den Lagern erlebt, `ïïf
daB mir zur Begleitung meiner evangelischen Lieder das
Harmonium der Katholiken zur Verfügung gestellt wurde
oder umgekehrt. In Darmstadt z. B. haben wir uns, Kath0­
i liken und Protestanten, schied1ich­friedlich so eingerichtet, daB
[ der katholische Pfarrer das Harmonium im Lager bezahlt
und ich dasjenige im Lazarett. Und siehe da! Die braven
Instrumente lassen sich diese liebliche Gemeinschaft der Kon-
fessionen ruhig gefallen und lassen dieselben Töne zur Ver- T
schönerung des katholischen und des evangelischen Kirchen­ `
gesangs erschallen! ja, mehr als einmal sangen in zwei oder ,
j drei Sprachen deutsche Mannschaften und Offiziere zu-
l sammen rnit Engländern, Russen und Franzosen die alte i
l und immer neue ,,Marseillaise" der evangelischen Kirche:
,,Ein’ feste Burg ist unser G0tt!" Wie nie zuvor habe ich
t in diesen seltenen Stunden die Realität der wahren Katho-
L · lizität der Kirche und der Gemeinschaft der Heiligen er-
fahren. Mag sein, daB nach dem Krieg die alten und un-
ll E erquicklichen Zwistigkeiten unter den christlichen K0n~
_ fessionen wieder anheben. Einstweilen freut man sich dieser V
durch die Härten des Kriegs geschaffenen Atmosphäre des E
Burgfriedens innerhalb der Kirchenmauern, die uns von- U
einander trennten.
Frankreich hat vor einer Reihe von jahren die Treu-
nung von Kirche und Staat vollzogen. Daraus erfolgt not-
! wendigerweise auch für die Geistlichkeit der verschiedenen
· Konfessionen der EinschluB der Militärpflicht. Und so komrnt
es, daI3 in jedem der zahlreichen französischen Gefangenen-
lager sich neben vielen katholischen Priestern auch einige
evangelische Pastoren befinden, die überall seelsorgerisch ‘
i mit tätig sind. Freilich, da nach dem Wunsch Seiner Majestät
I des Deutschen Kaisers die Pfarrer als Offiziere behandelt l
werden, so wurden die meisten Priester den Offizierslagern gt
zugeteilt. Aber eine gr0Be Anzahl, die mit der Waffe an
mo