HomeAus deutschen Kriegsgefangenenlagern. 2. FolgePagina 12

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gefangene, einerlei ob es sich um Kämpfer oder Nichtkämpfer '''`
handelte, oft ohne Unterschied von Alter, Geschlecht und
Rang, dem Tode oder der Sklaverei. Die Gefangenen waren
dem Uberwinder völlig preisgegeben; der einzelne Krieger
oder Anführer entschied nach eigenem Gutdünken über das
Schicksal derer, die in seine Gewalt gefallen waren. Nicht
selten brachten Völker des Altertums ihren Göttern die Kriegs­
gefangenen feierlich zum Opfer; nur hohes Lösegeld ver-
mochte einzelne zu befreien. Aber es finden sich auch bereits
bei den Kulturvölkern des Altertums die ersten Spuren eines
Asylrechts; es gab Tempel und Freistätten, die dem vvehrlosen
Feind eine Zuflucht gewährten. Im Mittelalter verbot das
Laterankonzil vom Jahre 1111 den christlichen Völkern die
Verknechtung gefangener Christen; aber bis an die Schwelle
der Neuzeit galt noch keineswegs allgemein der Grundsatz,
der seit dem preuläisch-amerikanischen Vertrag von 1785
zum erstenmal in aller Form zwischen Staaten zum Ausdruck
gelangte und uns heute so selbstverständlich erscheint: der _
Satz, daB dem Angehörigen des feindlichen Staates nicht mehr
Ubles zugefügt werden dürfe, als der Kriegszvveck er-
fordert. Seitdem ist Kriegsgefangenschaft eine Art Rechts-
verhältnis zwischen dem Gefangenen und dem feindlichen
Staat, und sie ist in ihrer Bedeutung ungefähr einer Sicher-
heitshaft gleichzusetzen.
Noch immer herrscht in weiten Kreisen ein gewisser Mangel
an Kenntnis der Grundsätze, die von seiten der Mi1itär­
behörden bei der Behandlung der Kriegsgefangenen zur An-
wendung kommen. Es gibt sogar Leute, die sehr lebhaft
eine weniger gute Behandlung der Kriegsgefangenen fordern
und sich beschweren, daB es die Insassen unserer Gefangenen­
lager im Grunde besser hätten als unsere eigenen Soldaten,
oder daB die kriegsgefangenen Offiziere besser verpflegt
würden als die Bevölkerung. A
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