HomeAus deutschen Kriegsgefangenenlagern. 2. FolgePagina 134

JPEG (Deze pagina), 608.27 KB

TIFF (Deze pagina), 4.78 MB

PDF (Volledig document), 110.66 MB

l Die Mohammedaner
ie in Zossen internierten Mohammedaner (Algerier, Tu-
i D nesier, Senegalesen, Marokkaner, Tataren, Kirgisen usw.)
i werden durch ihre eigenen Geistlichen versorgt, wie sie auch
eine den Grundsätzen und Riten ihrer Religion entsprechende
Naturalverpflegung erhalten.
l Von welch groläer Bedeutung dies für die mohammedani-
sehen Kriegsgefangenen ist, geht aus dem Briefe eines in
Zossen untergebrachten russischen Soldaten - vermutlich
eines Tataren - hervor, der in der ,,Russkija Iswestija"
veröffentlicht war, worin es heiBt:
à ,,Schon zwei Tage vor dem Fest Kurban Bairam (Opfer-
fest, bei dem Kühe und Schafe geschlachtet werden) machte
i sich eine lebhafte Geschäftigkeit und eine aufgeregte Stim-
9 mung unter rneinen Stammesgenossen geltend: Uberall wur-
i · den die Baracken gereinigt, aber überall erhob sich eine bange
Frage, womit wir das Innere unserer Wohnstätten schmücken
`· würden. Zum Glück fanden sich einige alte deutsche Zeitun-
_ , gen, aus denen man phantastische Zeichnungen ausschneiden
i i konnte. Auch die Fenster blieben nicht ungeschmückt; sie
erhielten Vorhänge aus denselben Zeitungen. Dann verschaff-
F ten sich einige blaues und rotes Papier und verhüllten damit
E die elektrischen Lampen, so daB das Innere der Baracke bei
Q dieser phantastischen Beleuchtung und mit all den Zeich-
nungen einer Tropfsteinhöhle gleichsah und daB unsere Ge-
danken weit, weit in die Ferne schweiften. ,UngewiBheit‘
bringt immer Aufregung; sie äulöerte sich in einem Gerücht,
wonach die Türkei in Ubereinkunft mit Deutschland etwas
vorbereitet hätte, eine Uberraschung auf die Feiertage für
uns, für die Vergessenen und vom Spiel des Schicksals in
die Ferne Verschlagenen, fern von unseren teuren Verwand-
ten. ­­- Der Morgen des ersehnten Tages kam, aber er
drückte unsere Stimmung tief herab, denn er war trüb, und
123 9