HomeAus deutschen Kriegsgefangenenlagern. 2. FolgePagina 136

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ä einige sagten sogar Regen voraus. Aber auch das Wetter hatte
i Mitleid mit uns Gefangenen an diesem gr0Ben Tage und schon
l um neun Uhr früh heiterte es sich auf, wenn es auch kalt
l blieb. Wir hatten die Ehre eines Besuchs von Gästen aus Berlin
' als Vertreter der Türkei in der Person des Konsuls Ibrahim
Hakki Pascha und vieler anderer, aber auch eines Generals des
j gr0Ben Deutschland mit seinem Stabe, die uns alle nach dem
, Morgengebet beglückwünschten. Statt des üblichen Hurra i
riefen wir zum GruB ,Padischahim tschok jascha!‘, d. h. ,Lan­
; ges Leben dem Sultar1‘. Nach dem Gebete richteten wir unsere
Blicke unwillkürlich nach der Seite, wo wir das Gebrüll von
Kühen und das Blöken von Schafen hörten. Da entdeckten
wir auch die Uberraschung, die uns unsere Türkei in Uber- l
einkunft mit Deutschland bereitet hatte.. Nach der Zeremonie l
I besuchten die Gäste unsere Baracken, wo die Tische gedeckt
g waren. Eine Militärkapelle spielte dazu. Das alles trug dazu l
[ A bei, den Beginn unseres Festtags freudig zu gestalten, aber
ä , den Dank für alles konnten wir nur dadurch ausdrücken, daB
{ wir uns in der Baracke, wo der Tisch für die Gäste gedeckt
A V war, in Reih und Glied aufstellten. Beim Essen kam ich neben
einen Kameraden zu sitzen, der uns andere mit Tee, Brot, n
i Butter, Honig und SüB1keiten bewirtete. Uberall sah man
S dasselbe, ich weiB aber ganz genau, daB mein gastfreund-
licher Kamerad aus RuBland nichts erhält. Man kann daraus
schlieläen, wie gut man für uns Muselmanen gesorgt hatte,
und so verbrachten wir den Festtag, wie es sich für jeden
· Muselmanen geziemt, indem unter uns wieder die längst ver-
gessene Sitte der Gastfreundschaft auferstand." '_
us diesem gedrängten Bild der Seelsorge in den Kriegs-
A gefangenenlagern ist ersichtlich, wie sehr man sich be-
müht, den Gefangenen auch in religiöser Beziehung gerecht E
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