HomeAus deutschen Kriegsgefangenenlagern. 2. FolgePagina 155

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Darstellung, die ohne Verbitterung das Gute anerkennt, die
bemerkt, daB nur das ,,Minimum von notwendiger Reglemen-
tierung" angewandt wird - wie ein Gefangener bekennt -
ist viel mehr wert, weil sie den Stempel der Aufrichtigkeit
_ trägt. Und es findet sich eine groBe Zahl von solchen, die
sich in das gewiB harte Los des Gefangenseins gefügt haben
, und die denen, in deren Hand sie gegeben sind, für jede Er-
«··= leiçhterung Dank wissen. ,,Die Deutschen sind Sehr ,chik‘ mit
uns. Sie fallen uns nicht gerade um den Hals, aber wenn man
tut, was sie angeordnet haben, wird man nicht schlecht be-
r handelt". Gewilä eine sehr kühle Erklärung, aber man be-
denke, welch ein Umschwung in der Gesinnung hier schon vor
sich gegangen sein mag und welcher Gegensatz zu der gröläten l
V==_ Mehrzahl der Urteile über die Deutschen in der Presse des
¤ feindlichen Auslandes schon in diesen knappen Worten vorliegt.
‘ Viele Briefschreiber sind sich auch ganz klar darüber und
fürchten nur, daB sie daheim als unpatriotisch angesehen wer-
den könnten. Aber das Gefühl persönlicher Dankbarkeit siegt
über die vorhandenen Vorurteile. Hierzu scheint am meisten
das Verhalten der deutschen Arzte und Sanitätssoldaten bei-
getragen zu haben. Viele Gefangene betonen es, daB sie ihnen
das Leben verdanken, und es zeugt von Mut, daB sie für ihre
neue Auffassung auch zu Hause offen eintreten wollen.
,,Un patriote français mais impartial" unterzeichnet sich der
__ i Verfasser eines solchen Briefes und er weilà, daB er ein
heikles Thema behandelt, denn er bittet am Schlusse aus-
drücklich die Zensur, seinen Brief durchzulassen. Ein anderer
schreibt seiner Frau, sie solle als Dank den Gefangenen, die
0 sie dort sähe, ein Geschenk geben. Einem einfachen Soldaten
hat sich der ganze Widersinn des Völkerhasses enthüllt, als
,,,«­·~­·····­· er vor dem deutschen Priester kniete: ,,Der Deutsche, den
wir gestern bekämpften, gibt uns heute seinen Segen". ,,Die
Deutschen sind von uns gar nicht so verschieden, wie die
écrivains patriotards schreiben" lesen wir ein andermal.
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