HomeAus deutschen Kriegsgefangenenlagern. 2. FolgePagina 157

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Die Wirkung dieser psychischen Anderung der Gefangenen
spiegelt sich auch in den Briefen, die von den Angehörigen
L zu uns herübergelangen. Scharf heben sich die Briefe
solcher Franzosen, welche schon früher in Beziehung zu
Deutschland gestanden haben, durch ihr gröBeres Verständnis
von den übrigen ab. Auch Erinnerungen an Kriegsgefangen­
schaft in Deutschland vom Jahre 1870 sind noch lebendig:
ää ,,Mein Vater" - schreibt ein junges Mädchen - ,,war auch
D ii in Deutschland gefangen, fast in derselben Gegend wie du.
FM Ich erinnere mich, daB er oft erzählte, wie gut er behandelt,
gi `ii'`i fast verwöhnt wurde, und daB er lange in Beziehung mit den
ä Leuten blieb, bei denen er war". Auch jetzt sehen wir hier
‘· ~~ und da sich solche rein­menschlichen Beziehungen an-
_@ bahnen, vorzugsweise natürlich dort, wo einzelne, die als
Q, Landarbeiter abkommandiert sind, in direkte Fühlung mit
W der Bevölkerung kommen. ,,Wie Kinder im Hause", schreibt
da ein Gefangener aus Königsbrück, ,,werden sie von den
Bauern, bei denen sie arbeiten, gehalten"; und wir wollen es
gem verzeichnen, daB diesem schönen Zuge fast in den
gleichen Worten von drüben geantvvortet wird, daB auch
dort, wie wir aus einem französischen Bauernhause erfahren,
­ Deutsche ,,wie die eigenen Söhne" unter der Bevölkerung
leben.
E Psychologisch interessant ist auch der Brief eines Gefange-
nen, der schreibt: ,,Ich fürchte, daB man uns als eine Art
i ¢ Märtyrer hinstellen wird, was durchaus nicht zutreffen würde."
,_ `:·· i Der Gedanke, eine so pathetische Rolle spielen zu sollen, ist
ihm schon im voraus peinlich. Denn kann man dort von
Märtyrertum sprechen, wo das einzige Leiden in der bloBen
Tatsache der Gefangenschaft bestehtl? GewiB ist es zu ver-
stehen, daB die Beraubung der persönlichen Freiheit auf allen
Briefschreibern lastet; auf der anderen Seite sehen wir aber
fast ebenso mächtig das frohe Gefühl, den ausgestandenen
Leiden des Schlachtfeldes entronnen zu sin, in Ruhe und
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