HomeAus deutschen Kriegsgefangenenlagern. 2. FolgePagina 159

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Sicherheit aufatmen zu können. ,,Gr0Be Ruhe im Innern"
­ so kennzeichnet ein französischer Gefangener seinen Zu-
stand.
Es ist rührend, wie dankbar jeder Schein von Frciheit ge-
nossen wird, welche Freude es bringt, wenn auf dem Weg zum
Baden in der Umgegend oder bei kompagnieweisen Spazier­
gängen die freie Luft jenseits des Bretterzaunes geatmet
werden kann. Und daB es irn Lager selbst nicht an Zerstreu­
ungen fehlt, die die Eintönigkeit angenehm unterbrechen,
1 _ geht auch aus den Briefen hervor: der eine ist mehr für den
Sport, der andere sucht seine Langevveile in der Bibliothek zu
g töten, die ganz Strebsamen benutzen die gute Gelegenheit,
um ihre Kenntnisse der fremden Sprachen zu bereichern,
den künstlerisch Veranlagten ist die Möglichkeit gegeben,
sich ihrer Muse zu `widmen; in Grafenwöhr z. B. ist ein ‘
groBes ,,Monument aux m0rts" für die im Lager verstorbenen
Kameraden entstanden. Diese Ausfüllung der Mufàestunden
nimmt breiten Raum in den Briefen ein. DaB das schöne
Geschlecht fehlt, entlockt allerdings manchem einen StoB­
seufzer; ,,für Klatsch und Médisance ist aber dennoch ge-
sorgt", schreibt ein hurnoristisch­kritisch veranlagter Brief-
schreiber an seine Frau. DaB man sich aber auch über die
Entbehrung des Ewig-Weiblichen mit Humor hinwegsetzt,
und daB der Franzose auf die Galanterie nie verzichtet, zeigt
eine Schilderung, die ein französischer Professor von der
Feier seines Geburtstages entwirft. Hier mulä das Konterfei
der fernen Gattin dem von den Kameraden improvisierten
Festrnahl vorsitzen, und man bringt mit Sodawasser-Cliquot
die Tischrede aus. Bei den gevvöhnlichen Soldaten ist es
die Kantine mit ihren Extragenüssen, die einen besonderen
Reiz ausübt; vornehmlich das gute und für ausländische
Begriffe unglaublich billige Bier spielt in vielen Briefen
eine Rolle.
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