HomeAus deutschen Kriegsgefangenenlagern. 2. FolgePagina 74

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l fung der erforderlichen Einrichtuugen unentbehrlich war, _
L als unmöglich erschien.
1 Allmählich hat dann die Zeit die Schwierigkeiten über- ·
wunden. Nachdem die Gefangenen monatelang der tätigen
L Anteilnahme an dem Kampf der Völker entzogen waren, ‘
' haben sie sich unwillkürlich daran gevvöhnt, auch das
Gute und Eigenartige in ihrer Umgebung zu sehen und an- l
zuerkennen. je länger um so mehr ist es ihnen deutlich
V geworden, dal'5 nicht bl0B einige schnell vorübergehende
Wochen, sondern ein Teil ihres Lebens dem Aufenthalt im
7 feindlichen Lande gehören werde. Was sollten sie dereinst
{ bei ihrer Rückkehr ihren Angehörigen erzählen von diesem 1
2 Lande, in dem sie so lange gelebt hatten? Warum sollten sie
l die eintönigen Wochen und Monate nicht dazu benutzen,
etwas Neues zu lernen und ihren Gesichtskreis zu erweitern?
‘ Dazu kam, daI3 auf ihnen allen und besonders auf den Ge-
l bildeten die Untätigkeit schwer lastete. Man kann sich in
Q Nahrung und Wohnung verhältnismälüg leicht an unge­
L wohnte und wesentlich eingeschränkte Verhältnisse gewöh-
l nen; aber es ist viel schwerer, der regelmäläigen Pflicht der
, täglichen Berufsaufgaben und der Anregung geistigen Ver-
[4 kehrs zu entsagen. In der Verzweiflung der Langeweile
‘ haben viele sich widerstrebend dazu entschlossen, die Ein-
ï drücke, die auf sie einwirkten, in sich aufzunehmen und zu
1 verarbeiten. Für viele auch erwies sich die Beschäitigung mit
geistiger Arbeit als ein vortreffliches Mittel, demWHeimweh
und dem Pessimismus zu entgehen. Einzelne auch waren
verständig genug, um einzusehen, dafà ein groläer Teil der
Schuld an dem Kriege der gegenseitigen Unkenntnis der Völker
beizumessen ist und daB die innere Uberlegenheit wesentlich
durch die vielseitige Berührung mit andersgeartetem geistigen
Leben bedingt ist.
{ So ist es gekommen, daB die Gefangenen allmählich
die Möglichkeiten zu geistiger Betätigung, wie sie in den ·-
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