HomeZerstörte Kunst-Denkmäler an der WestfrontPagina 27

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zurückliegende französische Stadt, nach Maubeuge in Sicherheit gea
bracht worden, wo sie unter sorgfältiger fachmännischer Pflege stehen.
Nach Maubeuge ist auch aus den Schlössern und Ortschaften vor der l
jetzigen Front, die teils aufgegeben, teils gesprengt sind, nach sacha
` verständiger Auswahl das Beste und Kostbarste gerettet worden, was l
hier an Gemälden, Tapisserien und Möbeln im Bezirk der Armee
vorhanden war, um es so der Kultur und der Kunstgeschichte zu ere
halten - und was hier ein kunstsinniges Armeeoberkommando getan
· hat, das ist durch eigens bestellte Kunstoffïziere auch bei den Nachbare
armeen geschehen. Und noch während die feindlichen Granaten auf t
die unglückliche Stadt St. Quentin regneten, haben aus dem deutschen
Vaterland herbeigerul`eneTechniker unter der Leitung deutscher Kunst:
gelehrten die unersetzlichen Glasgemälde geborgen, die die Kathedrale
besaB, vor allem die Reihe jener herrlichen frühgotischen Glasmalereien i
in der Liebfrauenkapelle im Chorumgang aus dem Beginn des 13.]ahr= i
hunderts. Mit den gröBten Mühen und unter erheblichen Gefahren
sind diese Schätze abtransportiert worden. Und jetzt ist das Zentrum
von St. Quentin der Zielpunkt der feindlichen Artillerie, von Norden
her der englischen, von Süden her der französischen. Der riesige justize
palast ist vielfach getroffen und durch Granaten zerrissen, das ent;
zückende Rathaus, unter den spätgotischen Profanbauten Nordfranka
reichs eine der feinsten und reizvollsten Schöpfungen, ist schwer
beschädigt, und vor allem ist die Kathedrale, die berühmte Basilika des
Heiligen Quentinus, dem Untergang geweiht. Neben den Kathedralen
von Amiens und Beauvais war sie das glänzendste Denkmal, das
sich die frühe Gotik hier im Norden geschaffen hat, auch unvollendet
` (der Westbau ist nie fertiggestellt worden) ein Werk von einer übera
wältigenden GröBe mit einer unvergleichlich imponierenden Rauma
schönheit des Inneren. Die ganze Entwicklung der frühen Gotik in
Frankreich würde eine ihrer wichtigsten Urkunden verlieten, wenn
St. Qxentin nicht wäre: und eben dieses Bauwerk ist jetzt ein Ziel
der gegnerischen Granaten. Ende Mai bereits hatte die Kathedrale
nicht weniger als fünfzigVolltreHer aufzuweisen, der barocke Dachreiter
war zerstört, die Rose im südlichenQ1erschiff zerschossen, das Gewölbe
im Chor durchschlagen; drei Strebesysteme hatten ihre Spitzen vera
loren, und vor allem war die gewaltige Strebemauer, die auf der i
Südseite den Westbau stützte, von einer schweren Granate durch; F
schlagen und zertrümmert, so daB hier der Einsturz drohte. Kaltblütig
haben die Engländer in einem offiziellen Bericht erklärt, sie sähen sich ,
veranlaBt, St. Quentin zu ,,opfern".
Nach einer kurzen Pause hat dann das Bombardement wieder
mit groBer Heftigkeit eingesetzt, in einer Woche erhielt die Kathea
drale nicht weniger als 60 Treffer. Unter dem 28. juli hat die deutsche
,_ Oberste Heeresleitung feststellen lassen, daB bis zu diesem Tage die
Kathedrale insgesamt 3OOVolltreH`er erhalten hatte, die Kirche St.Martin
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