HomeZerstörte Kunst-Denkmäler an der WestfrontPagina 34

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diese schon seit 1914 getroffen seien) wäre es möglich gewesen, die
Dächer in der kürzesten Zeit von ein paar Wochen aufzubringen.
Nichts von alledem ist eingetreten. Die französische Regierung hat
. mit der erstaunlichen Sorglosigkeit, die sie schon im jahre 1914 dem
Bauwerk gegenüber an den Tag gelegt hat, auch diesen Winter und .
, dieses Frühjahr völlig ungenutzt verflielïen lassen - und man kann
sich vorstellen, welche Schäden gerade dieser Winter mit der ein
Vierteljahr lang anhaltenden unerhörten Kälte, mit der Durchnässung
L und Ausfrierung der Gewölbe hat hervorrufen müssen.
Die französischen Stimmen verschweigen bei ihren Klagen volla
11 kommen, dafä es in der Hand ihrer Regierung lag, diese Sicherungs;
` arbeiten auszuführen, und daB die Durchführung der Arbeiten ledig;
1 lich an der Veige1·ung der französischen militärischen Behörden gea
~ scheitert ist. Die französische Heeresleitung, die ohne alle Rücksicht
ll auf die unvergleichlichen, hier auf dem Spiele stehenden künsta
lerischen Werte Reims zum Zentrum für die grof5e Offensive dieses
. Frühjahrs und zum I-Iauptstützpunkt bei den bevorstehenden Artillerie;
1 kämpfen gewählr hatte, wollte anscheinend in der Durchführung dieses
_ Planes durch keine andere Rücksicht gestört werden.
i Das zweite kirchliche Hauptdenkmal zu Reims, die Abteikirche
von St. Remi, im äuBersten Südosten der Stadt gelegen, eines der groB¢
artigsten Monumente des 12. jahrhunderts im ganzen nördlichen
· Frankreich, war bis zu diesem Frühjahr bis auf geringfügige Beschäa
digungen am Chor erhalten. Die Dächer und die Gewölbe standen
, unversehrt. Aber die Franzosen hatten rund um die Vorstadt, in der
, sich die Abteikirche befindet, Batterien in unmittelbarer Nähe des
Bauwerks aufgestellt, die ganz selbstverständlich unsere Artillerie zur
l Antwort zwingen mullten. Dalï die französische Heeresleitung Reims
opfern wollte, geht doch vor allem daraus hervor, daB die Bevölkerung
dort vor Beginn der grollen Offensive abtransportiert worden ist; die
i Stadt selbst sollte das Ausfalltor für den entscheidenden Durchbruch
1 werden, und die militärischen Behörden wollten durch keinerlei zivile
Rücksichten beunruhigt werden. Trotz der ungeheuerlichen Kämpfe
hat die deutsche Artillerie sich bislang bemüht, die Kathedrale zu
schonen. Es wäre ja ein Leichtes gewesen, die Kirche, die als riesen«
grolïes Ziel sich über der Stadt erhebt, mit ein paar Volltrelfern zu
zerstören. Aber die Vernichtung der Stadt ist eine nicht von uns,
sondern von den Franzosen gewollte und bewuBt herbeigeführte. Was
jetzt in den letzten drei Monaten aus ihr und den übrigen bis dahin
noch wenig beschädigten kirchlichen Denkmälern der Stadt neben
der Kathedrale geworden ist, entzieht sich unserer Beobachtung und
Feststellung.
Im April 1917 haben endlich die Franzosen begonnen, auch
Laon unter das Feuer ihrer schwersten Geschütze zu nehmen, und
sie gefährden damit nicht nur die ehrwürdige Abteikirche St. Martin,
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